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Mobil sein ist für Menschen mit Behinderung ein wichtiger Bestandteil der Selbstbestimmung. Fahrdienste, behindertengerechte Bahnhöfe, Züge und Busse ermöglichen es Ihnen, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Besonders gut gelingt dies, wenn die Mobilität unabhängig von Fahr- und Dienstplänen ist. So wie bei Josef K., der einen eigenen Krankenfahrstuhl steuert.

Bereits 1990 erwarb Josef K. einen Mofaführerschein, der ihm das Fahren mit gedrosselten Fahrzeugen erlaubt. In jungen Jahren war es seine große Leidenschaft, einen alten Roller, gedrosselt auf 25 km/h, herzurichten. An diesen und weitere Roller montierte Josef K. eine Anhängerkupplung, um seine zweite Leidenschaft zu verwirklichen: Mit einem eigens dafür bestimmten kleinen Anhänger bereiste er den Landkreis und besuchte Flohmärkte.

In seinen besten Zeiten besaß Josef K. oftmals drei Roller gleichzeitig, an denen er schraubte und bastelte. Zum Teil verkaufte er sie dann wieder für ein paar Euro weiter, doch dauerte es nie lange, bis er wieder Ersatz gefunden hatte.

Oftmals war ein edler Oldtimer unter seinen Errungenschaften. Mehrmals entschied er sich auch für eine Ape, ein dreirädriges Rollermobil des italienischen Herstellers Piaggio. Jedoch kehrte er immer wieder zu seinen Mofas und Rollern zurück.

Im Laufe dieser langen Fahrerkarriere wurde es für Josef K. immer beschwerlicher, die alten Roller fahrbereit zu bekommen. Deshalb kaufte er 2018 ein Neufahrzeug. Seinem Alter geschuldet entschied er sich erstmalig für einen dreirädrigen Roller mit Elektroantrieb, der ihm im Straßenverkehr mehr Sicherheit bot und die lästigen Fahrten zur Tankstelle ersparte.

2020 entdeckte Josef dann ein Fahrzeug mit vier Rädern und war so angetan davon, dass er sich dafür entschied. Er fühlt sich damit noch sicherer im Verkehr und kann weiterhin die selbstbestimmte Mobilität genießen, die für seine Psyche von großer Bedeutung ist.

Heute ist es für Josef K. eine große Freude, mit seinem „Auto“ wie er es liebevoll nennt, kleinere Einkäufe für seine Wohngruppe zu erledigen. So fährt er in den Nachbarort, um beim dortigen Metzger einzukaufen oder in der Stadt frische Semmeln und Brezen zu besorgen. Auch private Dinge, wie das regelmäßige Kontrollieren seiner Bankauszüge, kann er mit seinem Auto selbstständig erledigen.

Sehr wichtig sind Josef K. seine sozialen Kontakte außerhalb der Lebenshilfe. Diese pflegt er in regelmäßigen Abständen mit einem kurzen Plausch. Dabei genießt er die Mobilität und Unabhängigkeit, die ihm sein Fahrzeug bietet und ist sehr stolz, als einziger Bewohner der Lebenshilfe Landsberg ein solches „Auto“ zu besitzen. Liane Loder-Ostler

Sprache kann positiv oder negativ auf das Gegenüber wirken. Oft sind wir uns gar nicht bewusst, was ein „muss“ im Satz für unseren Gesprächspartner bedeuten kann: Eine Form von verbaler Gewalt. In einer Fortbildung zur gewaltfreien Kommunikation sensibilisierte die Deeskalationsbeauftrage  der Lebenshilfe Landsberg, Sabine Oberhäußer, deshalb die Betreuer aus Haus 9 am Eulenweg für die Macht des Wortes. Sie erklärte dabei, warum das eine oder andere fordernde Wort eine ablehnende oder auch aggressive Reaktion des Bewohners auslösen kann.

Sabine Oberhäußer erarbeitete mit den Teilnehmern Lösungsansätze für eine gewaltfreie Kommunikation, ohne dabei die zwingend notwendigen Ziele der Betreuungsarbeit zu vernachlässigen. Ein wichtiger Punkt war, sich das Leitmotiv der Lebenshilfe ins Gedächtnis zu rufen: „So selbstbestimmt wie  möglich“. In der täglichen Arbeit ist dies immer wieder Thema, zum Beispiel wenn es darum geht, ob ein Bewohner jetzt duschen gehen muss oder ob es auch noch in einer Stunde reicht.

Die Referentin empfahl, sich immer wieder einmal selbst zu hinterfragen. „Wie möchte ich, dass mit mir umgegangen wird?“ Schnell werde dabei klar, dass das gesprochene Wort einen sehr großen Stellenwert hat und man mit der Wahl entsprechender Adjektive ein weitaus entspannteres Gespräch mit den Bewohnern führen kann.

Schwieriger verhält es sich mit Regelungen und Anordnungen in der Einrichtung, die zum Wohl und Schutz der Bewohner eingehalten werden müssen, jedoch bei einzelnen Bewohnern das Gefühl von subjektiv erlebter Gewalt erzeugen können. Gerade die vielen notwendigen Maßnahmen zur COVID-19-Pandemie lösten bei vielen Bewohnern eine solche Reaktion aus. Von großer Wichtigkeit sei es, der Situation mit viel Empathie und Professionalität zu begegnen, so dass die Maßnahmen erträglicher für die Bewohner gestaltet werden können, meinte die Referentin.

Jedoch werde es im täglichen Ablauf nicht ausbleiben, dass Sprache auch als Machtinstrument eingesetzt werden muss. In einer Einrichtung sind gewisse Tagesstrukturen unumgänglich, die streng genommen als Gewalt empfunden werden können – zum Beispiel Essensplan und -zeiten, Badeplan, pädagogische und therapeutische Notwendigkeiten, ethische Verhaltensregeln.

Hier sei es sehr wichtig, den Bewohner mit Worten positiv zu bestärken, damit er diese Regeln ohne das Gefühl von Zwang akzeptiert und für sich als gut empfinden kann. Ein Beispiel: „Du riechst immer so gut, wenn du frisch geduscht  bist.“

Viele Bewohner leiden unter psychischen oder psychosomatischen Ängsten, die heftige Emotionen auslösen können. Dann sei es sehr wichtig, die richtigen Worte auszuwählen, um die Situation zu entspannen, so Sabine Oberhäußer.

Gelingt das in einer hoch explosiven Situation nicht, sollte nicht weiter auf den Bewohner eingeredet werden. Besser sei es, ihm etwas später die Möglichkeit zu geben, über seine Ängste zu sprechen – ihm also ein „Angst-Ohr“ zu schenken. Der Betreuer sollte sich hier völlig wertfrei verhalten und dem Bewohner das Gefühl vermitteln, dass seine Ängste gesehen und verstanden werden. Das hilft dem Bewohner, von seinen Aggressionen abzulassen. Er sei dann besser in der Lage, mit dem Betreuer über seine Gefühle und Sorgen zu sprechen, so die Referentin.

Entscheidend für all diese Ansätze sei die Deeskalation der täglichen Umgangssprache. Eine professionelle Sprache schaffe ein friedliches Miteinander und verhindere meist eine Eskalation, schloss die Referentin. Liane Loder-Ostler

Luna ist eine ganz besondere Katze. Sie ist hübsch getigert mit viel weiß, hat eine schlan-ke Figur, große grüne Augen – und gleich fünf Besitzer. Denn die Katzendame lebt seit acht Jahren im Wohnheim 7 der Lebenshilfe Landsberg.„Da ist sie ja“, ruft Christoph H. erfreut, als Luna mit hoch aufgestelltem Schwanz über den Rasen stolziert. Schnell nimmt er sie auf den Arm und freut sich über ihr Schnurren.

Als winziges Kätzchen kam Luna ins Wohnheim, erzählt er. Eine damalige Bewohnerin hatte sich für den Stubentiger eingesetzt und wirkte wo-chenlang als „Katzenmama“. „Luna durfte bei ihr im Zimmer schla-fen“, erinnert sich Christoph H. Aber auch die anderen Bewohner hatten sich für den Vierbeiner ausgesprochen. „Es gibt sogar einen Katzenvertrag“, berichtet der 32-Jährige stolz.Derzeit sind es fünf Bewohner, die sich nach einem „Luna-Plan“ um die Katze kümmern. Jeden Donnerstag gibt es eine Gruppenbesprechung, bei der die Dienste eingeteilt werden: Füttern, Wasser auffüllen, das Katzenklo reinigen. „Anfangs war das viel Arbeit“, sagt Angelika Sch. Doch inzwischen haben sich die Bewohner daran gewöhnt. Au-ßerdem werde ja abgewechselt.

Luna ist eine Freigängerin. „Sie miaut, wenn sie raus oder rein will“, erklärt Angelika Sch. Manchmal wisse sie aber auch nicht, was sie will. Eugenia S. (31), die heute Luna-Dienst hat, fragt die Katze dann. Und oft zeigt ihr Luna durch ihr Verhalten, was sie möchte. Manchmal dirigiert die Kätzin sie zum Beispiel zu ihrem Napf, weil sie beim Fressen gerne Gesellschaft hat.Ihre Streicheleinheiten holt sich Luna relativ gleichmäßig bei allen Bewohnern. Bei Christoph H. schlief sie schon einmal eineinhalb Stunden selig auf dem Schoß, an Angelika Sch. schmiegt sie sich oft an. Außerdem kuschelt die Kätzin sich gerne auf dem Bett ein und hält ein Nickerchen. Ihr Schlafplatz ist allerdings auf dem Stuhl oder dem Kratzbaum im Wintergarten, erzählt Christoph H.

Luna ist vor allem seit ihrem Unfall sehr anhänglich, manchmal sogar ängstlich, berichtet Angelika Sch. Vor fünf Jahren war eine Baustelle in der Straße und die Kätzin hatte sich vermutlich an einem scharfen Metallteil den Bauch verletzt. Sie musste in eine Transportbox und zum Tierarzt, erzählt die 46-Jährige: „Dort war sie dann sehr einsam“. Bei der anschlie-ßenden Pflege zu Hause wechselten sich Eugenia S. und Christoph H. ab.

Zum Glück zahlt jeder Bewohner jede Woche zwei Euro in eine gemeinsame Kasse ein. Davon werden Tierarztkosten, Katzenfutter und -streu beglichen, erklärt Betreuer Gerald „Gerry“ Schelling. Er unterstützt die Bewohner bei der Pflege und behält die Übersicht über notwendige Entwurmungen oder Zeckenmittel.

Ein Leben ohne Luna können sich die Bewohner gar nicht mehr vorstellen. Denn die Katze ist pflegeleicht, verschmust und „ganz lieb, die tut keinem was“, sagt Eugenia S. Umgekehrt steht Luna meist schon parat, wenn die Bewohner gegen 16 Uhr von der Arbeit zurückkommen. Daniela Hollrotter

Sie machen sich Notizen, diskutieren, bringen Anliegen vor, stimmen ab, vergeben Aufgaben. Mit großem Engagement sind die vier Frauen und vier Männer bei der Sache – schließlich vertreten sie insgesamt 126 Menschen, die bei der Lebenshilfe Landsberg in Wohngruppen oder -heimen leben. Bereits seit 2003 gibt es eine offizielle Bewohnervertretung, inzwischen trifft sie sich regelmäßig alle vier bis sechs Wochen zusammen mit zwei Betreuerinnen.

Heute beschäftigt sich die Bewohnervertretung unter anderem mit der Faschingsfeier. Für 2021 muss ein größerer Veranstaltungsort gesucht werden, dazu will sich Vorsitzende Eugenia S. zusammen mit dem Bereichsleiter Lokalitäten ansehen. Die passende Telefonnummer hat ihre Stellvertreterin Christine G. sofort parat. Beim anstehenden Maifest werden die beiden eine Eröffnungsrede halten.

Die Betreuerinnen Sybille N. und Eva G. berichten von einer neuen Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen im Landkreis und stellen deren Flyer in leichter Sprache vor. Thema ist natürlich auch das Coronavirus. „Man soll Veranstaltungen meiden“, weiß Peter Sch., ebenfalls stellvertretender Vorsitzender. Angelika Sch. hat erfahren, dass das Virus vor allem für alte oder kranke Menschen gefährlich ist. Und Alfred P. betont, dass Hände waschen sehr wichtig ist und man in den Ärmel husten soll.

Die insgesamt zehn Bewohnervertreter nehmen nicht nur Wünsche und Anregungen aus ihren Wohnheimen und -gruppen mit in die Versammlung, sie geben auch Informationen daraus an die Mitbewohner weiter. Alle vier Jahre werden die Vertreter gewählt, mögliche Kandidaten dürfen vorab eine Sitzung der Bewohnervertretung besuchen, weiß Eugenia S., die seit 2010 mit dabei und bereits zum zweiten Mal Vorsitzende ist.

Die Bewohner wählen geheim, auf den Wahlzettel finden sich Fotos der Kandidaten. Weil manche Wohnheime keine Vertreter im Gremium sitzen haben, werden sie durch Protokolle über die Sitzungen informiert. Außerdem fragt man sie rechtzeitig vor der nächsten Sitzung, ob es wichtige Themen gibt.

Eugenia hat gerne kandidiert, weil sie die regelmäßigen Treffen mit anderen Bewohnervertretungen und vor allem die Fortbildungen liebt. Zu Letzteren geht es einmal im Jahr drei Tage lang nach Gut Aufeld bei Ingolstadt. Dort werden Bewohnervertretern aus ganz Bayern wichtige Themen nahegebracht, heuer im April zum Beispiel das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG).

Das beschäftigt die Bewohnervertreter auch heute. Denn vermutlich wegen der neuen Regelungen und Zuständigkeiten sind diesmal das Taschen- und das Bekleidungsgeld noch nicht auf allen Konten angekommen. Für Letzteres aber hat die Bewohnervertretung lange und erfolgreich gekämpft, erinnert sich Christine G., die schon seit Beginn mit dabei ist.   Daniela Hollrotter

Christiane Maurer-Werny hat ihren Schritt nie bereut. Mit 48 Jahren hat sie ihren technischen Beruf an den Nagel gehängt und sich bei der Lebenshilfe Landsberg beworben. Nun macht sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und kann dabei ihre Erfahrungen als dreifache Mutter und Jugendleiterin im Sportverein einbringen. Und sie hat eine abwechslungsreiche Aufgabe mit Menschen, deren Offenheit und Direktheit sie sehr schätzt.

Die Menschen im Wohnheim der Lebenshilfe „zeigen ihre Zuneigung direkt und sind nicht berechnend“, sagt Christiane Maurer-Werny. Sie hat deshalb „sehr schnell einen Draht“ zu ihnen gefunden, als sie im September 2017 als Hilfskraft in der Wohngruppe 3 anfing. Sie wollte damals etwas Neues beginnen und ihre Erfahrungen einbringen, die sie im Verein und im engeren Umfeld mit Menschen mit Behinderungen gemacht hat.

Ein Jahr später begann sie die berufsbegleitende Ausbildung an der Fachschule für Heilerziehungspflege der Katholischen Jugendfürsorge in Augsburg. Seither beschäftigt sie sich zwei Tage pro Woche mit Medizin, Psychiatrie, Recht, Sozialkunde, Pflege, aber auch Hauswirtschaft, Spiel, Sport, Musik und Gestalten. Zusammen mit 16 Klassenkameraden zwischen 18 und 53 Jahren drückt sie die Schulbank, schreibt Leistungsnachweise und Berichte, lernt auf Prüfungen und führt Praxisprojekte durch.

„Es ist aufwendig, aber machbar“, sagt Christiane Maurer-Werny. Man müsse sich vor allem selbst organisieren und darauf einstellen, dass viel Freizeit wegfällt. Für Alleinerziehende oder Eltern kleinerer Kinder hält sie die dreijährige Ausbildung für schwierig. Sie selbst leistet ihre 20 Stunden Arbeitszeit im Wohnheim vor allem nachmittags, nachts und am Wochenende, denn die sechs Bewohner arbeiten tagsüber.

Die erforderlichen Praxisprojekte sollte man mit Zeitpuffer planen, weiß Christiane Maurer-Werny aus Erfahrung. Denn sonst kommen die Heilerziehungspflegeschüler*innen schnell ins Schleudern, wenn einer der Bewohner krank wird oder kurzfristig seine Angehörigen besucht. „Ich habe mit Menschen zu tun und da kann man nichts vorhersagen“, sagt die 51jährige.

Diese Abwechslung und die Möglichkeit, noch einmal etwas Neues zu lernen, gefallen ihr gut. Sie freut sich aber auch, dass sie ihre Lebenserfahrung und ihre Hobbys mit in die Arbeit einbringen kann. So bietet sie den Bewohnern zum Beispiel Schlittschuhlaufen, Entspannungsübungen, Handarbeiten oder künstlerisches Gestalten an.

Christiane Maurer-Werny schätzt es auch sehr, dass sie bei der Lebenshilfe viele Fortbildungen besuchen darf und auch dank ihrem Mentor, dem Kollegen Michel Kürstner, viel dazulernt – zum Beispiel zur Unterstützten Kommunikation, welche Hilfen es wo gibt oder worauf bei Menschen mit Down-Syndrom medizinisch besonders geachtet werden muss.

Das Schönste aber ist, dass sie von den Bewohnern sehr viel zurückbekommt. Oft bedanken sie sich bei Christiane Maurer-Werny oder sagen: „Das war ein schöner Tag“. Deshalb will sie nach Beendigung ihrer Ausbildung auch mehr Stunden bei der Lebenshilfe arbeiten und eventuell eine eigene Wohnheimgruppe übernehmen. Und damit ihrem Ziel ein Stück näherkommen – einer „integrativen, toleranten Welt, in der man voneinander lernt“.  Daniela Hollrotter

Wenn es nach Matthias ginge, wäre ganz schnell Schluss mit Corona gewesen – und zwar „am liebsten heute schon!“. Er und seine acht Kollegen im Wohnheim 8 der Lebenshilfe in Fuchstal-Seestall hatten so viele Sehnsüchte: die Schwester besuchen, die Mama umarmen oder wenigstens die Betreuer, in der Eisdiele und im Restaurant sitzen, in den Urlaub fahren, schwimmen gehen und – ja tatsächlich, endlich wieder in den Bus einsteigen und in die Werkstatt fahren! Alle wünschten sich, dass Corona sie nicht mehr im Wohnheim festhält. Doch Matthias befürchtete, dass das „noch ewig dauert“. Patrizia und Robert schildern, wie der Alltag mit Corona im Wohnheim 8 aussah:

In unserem Wohnheim ist alles so wie immer: Es gibt Frühstück und Mittagessen und Abendbrot und Fernsehen. Aber weil wir ja jetzt immer daheim sein müssen, gibt es auch viel Neues. Zum Beispiel kommen jetzt ganz oft Lisa und Anna zu uns ins Wohnheim, weil ihre Kitas geschlossen sind. Das finden wir sehr schön!                                                                                                                                                                                                                              

Mit Lisa haben Patrizia und Natascha schon viele Fahrradtouren gemacht, auch der Basti, vier Kilometer weit. Robert und Matthias haben Federball gespielt. Wir haben nämlich einen großen Hof und einen Garten. Wir spielen auch Tischfußball zu zweit oder zu dritt oder zu viert und haben Spaß an unserer Freude.

Wir schauen alle ein bisschen anders aus als sonst, weil die Betreuer Mund-Nasen-Schutz tragen oder auch sowas wie ein Formel 1-Visier und Robert und Patrizia haben sich auch sowas gebastelt. An unserem Kamin hängt ein Plakat und darunter eine Kette aus Papier-Ringen: ein Ring für jeden Tag, den wir wegen Corona im Wohnheim bleiben mussten. Am 29. Mai waren es schon 73 Tage!!!

Es hilft uns, dass wir in Seestall spazieren gehen und auch mit dem Fahrrad fahren. Wir freuen uns über neue DVDs zum Anschauen. Besonders haben wir uns auch gefreut, dass wir mit Robert Geburtstag feiern durften. 40 Jahre alt ist er geworden. Und natürlich hilft es uns, dass wir unsere Mitbewohner und Betreuer haben und nicht allein sind! Patrizia und Robert

In der Seniorenwohngruppe am Eulenweg bedauerten alle acht Bewohner die Einschränkungen durch das Virus. Sie unterstützten sich gegenseitig, wenn einer von ihnen wegen der Maßnahmen einmal besonders traurig war. Hans S. zum Beispiel macht normalerweise dreimal pro Woche Botengänge für die Verwaltung. „Jetzt kann ich das nicht mehr. Das finde ich gar nicht gut, es hat mir viel Spaß gemacht“, sagte er.  Anni H. ärgerte sich, dass sie nicht mehr in die Stadt fahren konnte, um besonders dem Haus 2 bei der Abholung von Rezepten und dem Einlesen von Krankenkassenkarten bei den Ärzten unter die Arme zu greifen. Heidi K. bedauerte, dass ihr Aufgaben in den Tagesstrukturierenden Maßnahmen (TSM) weggefallen sind. Ihr fiel vor allem die Zeit schwer, in der sie ihre Eltern nicht besuchen konnte.   Liane Loder-Ostler

Auch in anderen Wohnheimen vermissten die Bewohner den Austausch mit Freunden, gemeinsame Aktivitäten wie Kegeln oder Billard spielen und kämpften zum Teil mit Langeweile. Sie verbrachten viel Zeit mit Fernsehen, Lesen, Musik, aber auch Sport – und entdeckten dank der Kreativität der Betreuer so manch neues Hobby.

Eine Gruppe Bewohner und Betreuer hat das seit längerem geschlossene Eulencafé am Eulenweg wiederbelebt. Nach vorheriger Ankündigung treffen sich die Bewohner der Lebenshilfe Landsberg vorerst etwa alle zwei Monate an einem Dienstag zwischen 15 und 17 Uhr zu selbstgebackenen Kuchen, Torten, Kaffee oder Tee sowie heißer Schokolade. Die Bewohner und Betreuer der Wohngruppen backen die Köstlichkeiten selbst und spenden sie dann dem Eulencafé.

Besonders die Bewohner vom Eulenweg nehmen das Angebot gerne wahr, fördert es doch den Kontakt zwischen den einzelnen Häusern. Auch Betreuer schauen gerne vorbei und genießen das leckere Angebot. Die Gäste des Cafés erwerben gegen einen geringen Betrag einen Bon und wählen dann aus dem reichhaltigen Angebot aus.

Das Ziel der Betreiber ist es, das Eulencafé einmal monatlich zu öffnen. Geplant ist überdies, immer wieder neue Ideen einfließen zu lassen und das Café so lebendig wie möglich zu gestalten. Zu diesem Zweck trifft sich das Organisationsteam regelmäßig zur Planung und Vorbesprechung des nächsten Eulencafés. Liane Ostler

EhrenamtlicheCarola A. freut sich: Mit Schwung fegt ihr schwarzes Männchen ein rotes vom Mensch-ärgere-Dich-nicht-Brett. „Sie schlägt mich oft“, lacht Agnes Zeller. Wie jeden Dienstag besucht sie die Menschen im Wohnhaus 2 der Lebenshilfe Landsberg, die sie wegen ihrer Ehrlichkeit und Direktheit schätzt.

Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung hatte Agnes Zeller noch nie. Denn: „Das sind ganz normale Menschen, die halt irgendwo ein Manko haben. So wie wir alle“, sagt sie. Nach einem Praktikum bei der Lebenshilfe im Rahmen ihrer Hospiz-Ausbildung fragte die gelernte Zahnarzthelferin deshalb spontan an, ob sie „ihre“ Wohngruppe weiterhin besuchen könne.

Die Lebenshilfe-Mitarbeiter empfingen die gelernte Zahnarzthelferin mit offenen Armen. „Zum Glück bist Du hier“, sagt etwa Heilerziehungspflegehelferin Jessica Weiß. Denn Agnes Zeller hilft nicht nur bei Ausflügen und Feiern oder besucht Bewohner im Krankenhaus. Sie basteltet und backt mit den Bewohnern zu Ostern, Kirchweih und Weihnachten, windet Adventskränze, spielt bei Nikolausfeiern den Krampus und gestaltet schöne Dinge aus den vielen Luftmaschen-Schlangen, die Carola so eifrig häkelt.

„Sie ist immer da, egal was wir brauchen“, sagt Jessica Weiß, die die Besuche als echte Entlastung sieht. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, bei denen gerade Unterstützung benötigt wird, berichtet Agnes Zeller. Gesellschaftsspiele eben, ein Spaziergang mit einem Bewohner, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, oder das Anschauen eines Fotoalbums oder Ich-Buches.

Oder sie sieht einfach nur, dass jemand eine neue Frisur, ein neues Oberteil oder frisch lackierte Fingernägel hat – und spricht die Bewohner darauf an. Denn „es geht doch für alle darum, wahrgenommen zu werden“, betont die 67-Jährige und hört aufmerksam zu, als Auguste von ihrem geliebten Wasserbüffel im Zoo erzählt.

Sie fragt Carola und Heini, was sie sich beim Einkaufsausflug gekauft haben und weiß, dass Franz einen bestimmten Platz auf dem Sofa braucht. Sie respektiert das ebenso wie die Tatsache, dass nicht alle Bewohner sie gleich gerne mögen.  „Die Leute hier sagen es mir ehrlich und brühwarm ins Gesicht“, lacht Agnes Zeller, „und damit weiß ich, woran ich bin. Das findet man sonst nicht“.

Die 67-Jährige ist stets offen für alles, wenn sie zu ihrem wöchentlichen Besuch im Eulenweg eintrifft. Manchmal geht Agnes Zeller dann schon nach einer Stunde wieder, manchmal bleibt sie auch bis in den Abend hinein. Eben so, wie es für die Bewohner am besten passt.

Die ausgebildete Hospizhelferin unterstützt die Gruppe auch bei der Sterbebegleitung. „Sie ist nachts bis zum Schluss geblieben, als ein Bewohner im Sterben lag“, sagt Jessica Weiß. Später stand Agnes Zeller der Heilerziehungspflegehelferin, ihren Kollegen und den Bewohnern für Gespräche zur Verfügung. Nach dem Tod ihres Ehemanns wollte die Rentnerin „noch a bisserl was Vernünftiges“ machen und ließ sich zur Hospizhelferin ausbilden.

Von ihren Besuchen im Eulenweg kommt Agnes Zeller immer „sehr zufrieden“ nach Hause.  Weil sie die Atmosphäre im Haus liebt, weil die Bewohner sich über ihren Besuch freuen und weil die Betreuer sie immer zu allen Festen einladen. Vor allem aber, weil sie von den Bewohnern „viel lernen“ kann. Zum Beispiel davon „wie diese mit ihren Handicaps umgehen und immer wieder Lösungen finden…“ Daniela Hollrotter

HorsemanshipPferde sind aus dem Leben von Simone Reichart nicht wegzudenken. Als Kind wuchs sie mit den Bayerischen Warmblütern ihres Onkels auf, mit vier Jahren saß sie zum ersten Mal im Sattel. Sie erhielt Reitunterricht auf dem elterlichen Bauernhof und ging zum therapeutischen Reiten in Lillemoor (Unterdießen), auf dem Thalerseehof in Schwifting und beim FroschReiten in Scheuring. Jetzt ist die 27-Jährige mit dem weltbekannten Pferdetrainer und -flüsterer Pat Parelli bekannt und hat mit viel Willenskraft und Fleiß das Level 1 von dessen Natural Horsemanship-Programm bestanden.

„Der Pferdeflüsterer“ brachte Simone Reichart zu der einfühlsamen Ausbildungsmethode, die Pat Parelli überarbeitet hat. Denn was Tom Booker alias Robert Redford in der Arbeit mit den Pferden erreicht hatte, wollte sie auch können. Die junge Frau, die seit 2012 in einem Wohnheim der Lebenshilfe Landsberg lebt, stürzte sich deshalb in Fachbücher und -Zeitschriften und stieß schließlich auf das Natural Horsemanship-Programm.

Da geht es vor allem darum, das Pferd mit Körpersprache, Blicken und Gesten zu lenken, zeigt Simone Reichart. Parelli hat dazu sieben „Spiele“ entwickelt, die sich an den Umgang von Stuten mit ihren Fohlen anlehnen. Erste praktische Erfahrungen mit dem Horsemanship sammelte die damals 15-Jährige bereits 2006 bei einem Reiterurlaub mit Markus Duscher. Geübt wurde dann zu Hause mit Warmblut Leo aus der Zucht des Onkels.

Elf Jahre später lernte Simone Reichart Pat Parelli persönlich kennen – auf der Pferdemesse Americana in Augsburg. Mit Mut und Entschlossenheit sprach sie ihn an und brachte ihn sogar dazu, ihr eine Grundausrüstung im Wert von 250 Euro zu schenken – denn die hätte sie sich von dem, was sie verdient, nicht leisten können. Als Gegenleistung wollte der Pferdetrainier über ihre Fortschritte auf dem Laufenden gehalten werden. Seitdem sind Parelli und Reichart auf facebook befreundet und schreiben sich immer wieder.

Mit der geschenkten DVD trainierte Simone Reichart eisern, unterstützt von den Reitlehrern vor Ort. Im Oktober vergangenen Jahres reiste sie dann zum Lindenhof nach Koblenz, um nach zwei Tagen intensiven Trainings mit Elena Bader die Prüfung zum Level 1 (Bodenarbeit) abzulegen – vor laufender Videokamera. Der Film wurde in die USA geschickt, wo Pat Parelli den Ablauf bewertete und die Arbeit von Simone Reichart mit dem neunjährigen Wallach „Manni“ mit Bestnoten bedachte. Daniela Hollrotter

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Petra L.  kriegt sich gar nicht mehr ein vor lauter Lachen. Mit strahlenden Augen lässt sie sich von weichen Pferdenüstern anstupsen, von vorsichtigen Zähnen an der Jacke beknabbern und hat ihre helle Freude daran. Jeden Monat erlebt sie und vier weitere Menschen mit geistiger Behinderung zwei Stunden im Tier-Paradies auf Gut Eschenlohmühle in Lamerdingen. Und nicht nur ihre Begleiterin Petra Rauch vom pädagogischen Fachdienst der Lebenshilfe Landsberg ist begeistert davon, was sich im Zentrum für tiergestützte Interventionen M.U.T.I.G. dabei zwischen Mensch und Vierbeinern abspielt.

Petra Rauch ist immer wieder aufs Neue fasziniert, welche Begegnungen sich beim Besuch in Lamerdingen ergeben. Da sitzen selbst eher zurückhaltende Bewohner zufrieden inmitten einer Horde herumwuselnder Kaninchen und sehen zu, wie die pelzigen Tiere sich das Futter schmecken lassen. Dann wieder stehen sie ausdauernd am Zaun, um Schafe, Esel, Ponys oder Minipferde zu beobachten und zu streicheln.

Denn die Tiere, freut sich Petra Rauch, kommen immer wieder von sich aus, um Kontakt zu den Menschen aufzunehmen und lassen sich dabei in keinster Weise irritieren. So schmunzelt sie heute noch bei der Erinnerung an die Begegnung zwischen einem Schaf und einem autistischen Bewohner, der motorisch sehr unruhig ist, springt und mit den Händen „wedelt“. Das Tier hatte ihn mit schief gelegtem Kopf zunächst aufmerksam betrachtet, so Petra Rauch – und sich anschließend ganz ruhig streicheln lassen. Beim Streicheln kam der Bewohner zur Ruhe, umgekehrt erschrak das Tier aber auch nicht, als ihn später die motorische Unruhe wieder übermannte.

Petra Rauch führt die souveräne und zugewandte Art der Tiere auf ihre Haltung zurück. Denn auf Gut Eschenlohmühle legt man viel Wert darauf, dass die Vierbeiner artgerecht leben können, nicht überfordert werden und sich jederzeit zurückziehen und unter ihren Artgenossen erholen können. Die Mitarbeiter von M.U.T.I.G. (Mensch und Tier in Gemeinschaft) lassen sich aber auch voll und ganz auf die Menschen mit Behinderung ein, schwärmt die Heilerziehungspflegerin. So gibt es keinerlei Berührungsängste, sondern intensiven Austausch und ein sehr sensibles Eingehen auf die Bedürfnisse der Bewohner.

So schaffte es ein anderer autistischer Bewohner auf Gut Eschenlohmühle, bei völlig Fremden zu sitzen. Und eine 74-jährige Frau strahlte den ganzen Tag lang, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein Pferd gestreichelt hatte.

Da fast keiner der Bewohner ein eigenes Einkommen hat, werden die zunächst geplanten acht Besuche über Spenden – derzeit vor allem von den Rotariern – ermöglicht. Petra Rauch hat dazu fünf eher schwächere Betreute zwischen 31 und 74 Jahren ausgewählt, weil diese wegen des höheren Betreuungsaufwands kaum selbst etwas unternehmen können. Sie würde die bereichernden Begegnungen zwischen Mensch und Tier aber gerne auch anderen Bewohnern ermöglichen, wenn sich wieder Spender dafür finden.

Die bisherige Gruppe jedenfalls ist restlos begeistert von M.U.T.I.G. Diejenigen, die sprechen können, fragen Petra Rauch immer wieder, wann es wieder dorthin geht. Und die anderen zeigen auf ihre Art, wie viel ihnen die Besuche bedeuten: Sie zeigen stolz die vielen Fotos, die dort schon entstanden sind, präsentieren den M.U.T.I.G.-Flyer oder machen einfach die passenden Tiergeräusche nach – mit einem Strahlen im Gesicht.                                                    Daniela Hollrotter

Wo will ich sterben? Wer soll mich begleiten? Welche lebenserhaltenden Maßnahmen möchte ich in Anspruch nehmen, welche nicht? Erst seit vergangenem Jahr haben Menschen mit geistiger Behinderung laut Sozialgesetzbuch Anspruch darauf, im Hinblick auf ihre letzte Lebensphase beraten zu werden und ihren Willen zu äußern. Bei der Lebenshilfe Landsberg allerdings gehört dies schon seit mehr als einem Jahrzehnt zum Konzept.

Barbara Hartmann, Erzieherin mit den Zusatzqualifikationen Palliativfachkraft und Trauerbegleiterin, hat schon früh angefangen, mit den Bewohnern ihres Wohnheims über den Tod zu sprechen. In Zusammenarbeit mit Verwandten, gesetzlichen Betreuern und Ärzten versucht sie seit gut zwölf Jahren deren mutmaßlichen Willen herauszufinden und umzusetzen.

Da geht es zum Beispiel darum, wo die Menschen im Falle einer lebensbedrohlichen Erkrankung gepflegt werden möchten, wovor sie Angst haben, wer sie begleiten soll. In den allermeisten Fällen können die Wünsche mit entsprechenden Verfügungen umgesetzt werden, berichtet Barbara Hartmann und erzählt von dem Bewohner, der erst kürzlich unter dem Gruppen-Christbaum sterben durfte.

„Möglich ist dies nur dank eines Teams, das die Betreuung nicht beendet, nur weil ein Mensch schwer krank ist“, betont Hartmann. Im Gegenteil: Die Krankenschwestern, Heilerziehungspfleger, Altenpfleger, Erzieher und Sozialpädagogen des Teams nehmen 24-Stunden-Bereitschaften auf sich und stören sich nicht daran, wenn ein Todkranker Blut erbricht. Auch die Geschäftsführung steht voll und ganz hinter dem Konzept.

Barbara Hartmann berät künftig nicht nur die Bewohner von Haus 2 der Lebenshilfe Landsberg zur Gestaltung der letzten Lebensphase.

Ist ein Bewohner gestorben, wird er wie früher ein bis zwei Tage lang im Haus aufgebahrt, damit alle Mitbewohner und Betreuer auf ihre Art Abschied nehmen können – oft indem sie Kuscheltiere in den Sarg legen. Die Verstorbenen werden „am hellen Tag“ abgeholt, betont Barbara Hartmann: Damit der Tod aus der Tabuisierung kommt und seinen Schrecken verliert.

Besonders wichtig ist ihr, dass in Haus 2 die letzte Lebensphase wirklich gelebt wird. Deshalb sind die beiden Gruppen mit je acht schwer und lebensbedrohlich Erkrankten so viel wie möglich unterwegs: Bei Faschings- und Sommerfesten und zahllosen Ausflügen. Die Bewohner werden zum Stammtisch, aber auch zum Einkaufen begleitet, um sich ausgefallene Dinge wie Würstchen im Glas aus der Kindheit besorgen zu können.

Die Heiterkeit, die in der Gruppe gelebt wird, hilft den Sterbenden wie den Lebenden. Natürlich, betont Barbara Hartmann, hat auch die Trauer ihren Platz. Vor allem, wenn ein Bewohner stirbt, den sie seit Jahrzehnten kennt. Dann hilft ihr die Gewissheit, dass sie dessen letzten Willen so gut wie möglich erfüllt hat und mit ihrer Arbeit „am richtigen Platz ist“.

Die 47-Jährige hat sich sofort bereit erklärt, sich zur GVPL (Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase)-Beraterin weiter zu bilden – bei einem der ersten Ausbildungskurse bayernweit. Künftig können deshalb die Bewohner aller Lebenshilfe-Einrichtungen und allen Alters Barbara Hartmanns Beratung in Anspruch nehmen.

Der Erzieherin ist klar, dass es dauern wird, bis ihr Angebot von vielen genutzt wird. Denn die meisten Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, setzen sich einfach ungern mit dem Tod auseinander. Daniela Hollrotter