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Die Lebenshilfe Landsberg hat ein Haus in der Nikolaus-Mangold-Straße in Landsberg gemietet. Es grenzt an den Garten der Lebenshilfe-Krippe in der Bischof-Riegg-Straße an und wurde zuvor vom SOS-Kinderdorf genutzt. Bis der geplante Verwaltungsneubau am Eulenweg steht, werden in der Nikolaus-Mangold-Straße 6 vorübergehend die Offenen Hilfen, die Individual-und Schulbegleitung und das Ambulant Unterstützte Wohnen untergebracht. Später soll das Haus anderweitig genutzt werden, im Gespräch sind unter anderem weitere Wohnangebote. Daniela Hollrotter

Markus ist der Mann des Abends. Gleich zweimal ruft er „Bingo“ und entscheidet damit die Runde für sich. Dann strahlt er in die Kamera und entscheidet sich für einen von zwei Preisen, die Nina Klusmeier ihm zeigt. Die Bereichsleiterin der Offenen Hilfen bietet seit kurzem das Online-Spiel an und hat damit ein wahres Bingo-Fieber in der Lebenshilfe Landsberg ausgelöst.

Insgesamt 13 Menschen mit und ohne Behinderung sind heute Abend mit dabei. Stifte und die Zettel mit den je 24 Zahlen darauf liegen bereit, die Spannung ist groß. Dann zieht Paula im liebevoll dekorierten „Bingo-Studio“ der Familie Ramminger die erste Kugel aus einer Kiste mit insgesamt 75 bunten, nummerierten Bällen und hält sie in die Kamera. Es ist die 56.

„Hab ich“, freuen sich ein paar Spieler, während andere den Kopf schütteln. Bei Letzteren steht die 56 nicht auf dem zuvor zugeschickten Zettel. Im Studio wartet Paula geduldig, bis alle Spieler ihre Zahlen kontrolliert haben. Denn: „Wir machen langsam“, hat Nina Klusmeier einer Bewohnerin aus dem Wohnheim 7 anfangs versprochen.

Für die Bereichsleiterin ist der Online-Bingo-Abend nicht nur ein Freizeitangebot. Es ist auch ein Weg, über den Menschen mit Behinderungen sich zumindest online begegnen können. Denn die Angebote der Offenen Hilfen stehen allen Menschen offen, nicht nur den Bewohnern der Lebenshilfe-Wohnheime. So begrüßt Nina Klusmeier beim Bingo teils auch Familienangehörige, die mit dabei sind und unterstützen.

Knapp eine halbe Stunde dauert die erste Runde, bis Ole sie für sich entscheidet. Er hat auf seinem Zettel als Erster fünf der gezogenen Zahlen in einer Reihe angekreuzt und freut sich über einen Schlüsselanhänger. Paula wechselt sich beim Ziehen der Kugeln mittlerweile mit ihrem Bruder Luis ab, ihre Mutter schreibt die Zahlen mit, der Vater sorgt für flotte Hintergrundmusik.

Zweimal noch heißt es danach „Bingo“ – einmal von Jan und einmal von Markus. Dann ist die Spiele-Stunde eigentlich vorbei. Doch die Spieler erbitten sich noch eine Zugabe-Runde, die wieder Markus gewinnt. Und einen weiteren Bingo-Abend im nächsten Monat. Daniela Hollrotter

Mit großer Begeisterung haben sich Bewohner und Mitarbeiter der Lebenshilfe-Wohnheime 8 (Foto), 3 und 4 sowie der Heilpädagogischen Tagesstätten 1 und 2 an der diesjährigen Diversity-Tag-Aktion des Landkreises Landsberg beteiligt. Sie gestalteten Leintücher unter anderem mit bunten Fingerabdrücken im Smiley-Muster und selbst gemalten Figuren.  Der Kreisjugendring hatte die Aktion organisiert und die Leintücher aus verschiedensten Bereichen zu einem großen Leintuch zusammengetragen. Dieses soll die Verschiedenheit und bunte Gesellschaft im Landkreis widerspiegeln und wurde am Diversity-Tag (18. Mai) im Foyer des Landratsamtes Landsberg ausgestellt.

Katharina findet Stefanie Sack „toll“. Am liebsten geht die Elfjährige mit ihr schwimmen. Aber sie spielt auch leidenschaftlich gerne Rollenspiele mit ihr, geht in den Wald, auf den Spielplatz oder in die Bücherei. Stefanie Sack genießt die gemeinsamen Stunden ebenso. Für sie sind sie eine willkommene Abwechslung vom Alltag, die ihr eine neue Sicht auf die Welt bieten. Die 58-Jährige ist deshalb froh, dass sie vor acht Jahren Ihre Mitarbeit beim Familienentlastenden Dienst (FED) der Lebenshilfe Landsberg angeboten hat.

Mitwirken kann jeder bei diesem „bezahlten Ehrenamt“, wie es Stefanie Sack nennt. Man müsse einfach „offen und interessiert“ sein. Oft sei es sogar von Vorteil, wenn die Ehrenamtlichen keine (sonder-) pädagogische Vorbildung haben. Denn eine gewisse „Unbedarftheit“ sei manchmal besser, um „die Menschen einfach so zu nehmen, wie sie sind“. Außerdem werden die Ehrenamtlichen von der Lebenshilfe begleitet – es gibt Fortbildungen, Gesprächsangebote und Austausch.

Stefanie Sack ist es wichtig, dass die gemeinsame Zeit ganz Katharina gehört: Deshalb lässt sie sich – soweit es geht – von der Elfjährigen leiten und greift deren Spielideen und Wünsche auf. Denn es geht nicht darum, irgendetwas beizubringen, sondern gemeinsam Freizeit zu verbringen. Dazu gehören Lachen, Freude und einfach eine schöne Zeit zu haben, so die 58-Jährige.

Für die Familie ist Stefanie Sack „eine Perle“, die Entlastung bringt, Katharina aber auch in Richtung Selbständigkeit weiterhilft. Johannes und Simone Bauer hatten schon kurz nach der Geburt, als die Trisomie 21 festgestellt wurde, Kontakt zu einer Lebenshilfe-Mitarbeiterin. Als Katharina mit vier Jahren ein Pflegegrad zugestanden wurde, nahmen sie den FED in Anspruch – und konnten erstmals wieder „abends weggehen“.

Ein festgestellter Pflegegrad ist Voraussetzung für den FED, erklären Karin Schartl und Nina Klusmeier, die zuständigen Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Landsberg. Dann können die Leistungen mit der Krankenkasse über die Verhinderungspflege bzw. den Entlastungsbetrag abgerechnet werden. Sie kümmern sich um die nötigen Formalien und übernehmen die Abrechnung mit den Krankenkassen. „Das ist eine große Entlastung“, so Simone Bauer.

Stefanie Sack

Wenn sich eine Familie an die Lebenshilfe wendet, suchen Karin Schartl und Nina Klusmeier einen örtlich und zeitlich passenden Ehrenamtlichen aus. Dann gibt es ein erstes gemeinsames Kennenlernen, um zu sehen, ob die „Chemie“ stimmt. Denn das ist ungeheuer wichtig, sind sich alle einig. Bei Katharina und Stefanie Sack klappte es auf Anhieb. „Alle haben aber auch das Recht, zu sagen, wenn es nicht passt“, betont die Ehrenamtliche, „das hat dann nichts mit Scheitern zu tun“.

Inzwischen gehört Stefanie Sack zur Familie. Seit vier Jahren schon kommt sie jeden Montag für ein paar Stunden zu Katharina, hilft aber auch einmal abends oder am Wochenende aus. Art und Umfang des FED, betonen Schartl und Klusmeier, machen Familie und Ehrenamtliche untereinander aus. Die Erfahrung habe jedoch gezeigt, dass eine gewisse Regelmäßigkeit sinnvoll für alle ist. „Dann sind auch Ausnahmen gut zu meistern“.

Katharinas Eltern sind froh über die Unterstützung. Die freie Zeit entlastet die Familie, da der Alltag durch Katharinas Entwicklungsverzögerung für die Eltern zeitintensiv ist. Dankbarkeit sei jedoch nicht notwendig, betont Stefanie Sack. Denn der FED ist für sie keine Verpflichtung, sondern eine Bereicherung für das eigene Leben. „Fast alle, die es ausprobiert und sich darauf eingelassen haben, meinten: ‚Das ist gut für mich, dabei bleibe ich‘“, so die 58-Jährige.

Sie würde sich wünschen, dass darüber noch mehr Kontakte entstehen, denn: „Leider haben viele Leute keine Begegnungsmöglichkeiten mit Menschen mit Behinderungen. Und wo es keine Berührungen gibt und etwas fremd ist, haben die Menschen Angst.“ Daniela Hollrotter

Derzeit nehmen etwa 80 Familien den Familienentlastenden Dienst (FED) der Lebenshilfe Landsberg in Anspruch. Dazu gibt es etwa 60 Ehrenamtliche, die eine Aufwandsentschädigung und Kilometergeld erhalten. Ehrenamtliche werden stets gesucht. Kontakt: Nina Klusmeier, Telefon 08191 9491-13, nina-klusmeier(at)lebenshilfe-landsberg.de.

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